Veränderte Rahmenbedingungen führen zu neuer Betrachtung der Husumer Grundschulstandorte
Wie soll sich die Husumer Grundschullandschaft in den kommenden Jahren entwickeln? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit die Verwaltung und die Kommunalpolitik der Stadt Husum. Ziel ist es, die Schulstandorte langfristig pädagogisch bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und dabei die aktuellen Entwicklungen bei den Geburten- und Schülerzahlen sowie weitere veränderte Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
Den aktuellen Sachstand stellte die Verwaltung am 6. Oktober im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport vor. Anlass für die Neubetrachtung der bisherigen Planungen sind veränderte Rahmenbedingungen und insbesondere die geänderte Muster-Schulbau-Richtlinie. Während nach der bisherigen Richtlinie ein räumliches Defizit von rund 1.400 Quadratmetern bestand, liegt dieses nach der neuen Richtlinie bei rund 140 Quadratmetern. Nach Einschätzung der Verwaltung kann der verbleibende Bedarf durch Doppelnutzung abgedeckt werden.
Darüber hinaus haben sich weitere Rahmenbedingungen verändert: So zieht der Wohnungsbau nach aktueller Einschätzung deutlich mehr ältere Generationen als Familien mit Kindern an. Auch die ursprünglich erwartete Ansiedlung von Northvolt und weiterer Zulieferunternehmen entfällt. Hinzu kommen ein deutlich geringerer Zuzug von Geflüchteten sowie die aktuellen Geburtenzahlen und Prognosen zu den künftigen Schulanfängerinnen und Schulanfängern.
Auswirkungen auf die Schulstandorte
Diese Entwicklungen führen auch zu einer neuen Betrachtung der bisherigen Planungen. An der Iven-Agßen-Schule soll zunächst der Ausbau des Betreuungsbereichs der Offenen Ganztagsschule (OGS) priorisiert werden. Der geplante Ausbau auf eine Dreizügigkeit wird zunächst zurückgestellt.
Bei der Bürgerschule wird eine dreizügige Sanierung und ein Umbau des historischen Bestandsgebäudes am bisherigen Standort mit einer Erweiterung des OGS-Bereichs betrachtet. Damit verbunden wäre die Aufhebung des bisherigen Beschlusses über einen vierzügigen Neubau im Nordwesten der Stadt.
Bestandssanierung oder Neubau?
Im Mittelpunkt der weiteren Beratung steht damit auch die Frage, welcher Weg für die Bürgerschule langfristig sinnvoll ist: die Sanierung und Weiterentwicklung des bestehenden Schulgebäudes oder ein Neubau.
Für eine Bestandssanierung spricht unter anderem, dass die räumlichen Gegebenheiten und die Funktionalitäten des Gebäudes bereits bekannt sind. Das Raumprogramm kann an die vorhandenen Strukturen und die konkreten Bedürfnisse angepasst werden. Gleichzeitig kann bestehende Bausubstanz weiter genutzt und damit der Ressourcenverbrauch reduziert werden. Auch die Identifikation mit dem historisch geprägten Schulstandort ist ein Aspekt, der für den Erhalt des Gebäudes spricht.
Ein Neubau könnte die Möglichkeit bieten, ein Schulgebäude nach einem festgelegten Raumprogramm und heutigen Anforderungen zu planen, sofern die dafür notwendigen Rahmenbedingungen gegeben sind. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 45 Millionen Euro für einen Neubau gegenüber rund 13 Millionen Euro für die Sanierung des Bestandsgebäudes. Zudem wäre ein Neubau mit einem höheren Rohstoffverbrauch verbunden.
Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Am 10. November soll der aktuelle Sachstand in einer zusätzlichen Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport erneut beraten werden. In der folgenden regulären Sitzung am 17. November soll ein Empfehlungsbeschluss gefasst werden, auf dessen Grundlage das Stadtverordnetenkollegium über das weitere Vorgehen beraten und entscheiden kann.




